Andreas Felger, ohne Titel, 2008
Öl auf Leinwand, 40 x 40 cm, © AFKS
OHNE TITEL
2008
Öl AUF LEINWAND
40 x 40 cm

 

Helles, aquatisches Blau lotet in ruhigen Bahnen das Format vertikal und horizontal aus, fängt als Rasterstruktur unseren Blick ein: In haptischer Verdichtung scheinbar greifbar nahe, entzieht sich dieses kühle Blau zugleich als Farbton der Ferne. Warm blitzen dazwischen Rot-Gelb-Orange-Fragmente hindurch, verbinden sich mosaikartig mit dem vorgeblendeten Blauraster zum stofflichen Rapport, zur mehrdimensionalen Räumlichkeit.

Rhythmisch gesetzt, bilden die Farbspuren im lebendigen Wechselspiel eine lockere Grundstruktur aus Verflechtungen, Überlagerungen und Durchdringungen – die Assoziation textilen Gewebes liegt nahe. Ein dicht gefügtes Spannungsfeld aus Farbnuancen taucht die Komposition in ein alles erfassendes Bildlicht. Es entfaltet sich perlmutternes Changieren, das unseren Blick zwischen den räumlichen Dimensionen pendeln lässt. Ausgehend von subtilen Farbkontrasten und komplementären Farbklängen entsteht der Eindruck unterschwelliger Bewegtheit, eine Anmutung innerer Lebendigkeit, die sich auf den Betrachter zu übertragen vermag.

Vor unserem Auge und in unserer Körperempfindung bildet sich die Wahrnehmung von vital durchpulster und zugleich ambivalenter Bildwirklichkeit aus, angesiedelt zwischen polychromer Transparenz und einer aufs Substantielle weisenden Farbmaterie, die sich zwischen greifbarer Nähe und Distanzierung bewegt. Koloristische Wechselbeziehungen und Verdichtungen lassen somit einen Farbraum Gestalt annehmen, der sich als empfundene Tiefendimension mitteilt. Vielleicht eine implizite Aufforderung, in die sich eröffnenden Farbräume einzutauchen? Sich einlassend auf die unterschwellige Dynamik der pulsierenden Farbräume fühlen wir uns involviert, werden zum Mit-Akteur in der Bildwirklichkeit des Künstlers. Assoziativ, nicht narrativ eröffnet uns Andreas Felger als Meister des Kolorits in seinen späten Werken weite Räume der Interpretation. Er spricht uns unvermittelt an – in der Sprache seiner Farbe, entsprungen einer inneren Notwendigkeit.

Text von Marion Vogt

Marion Vogt wurde nach dem Studium der Kunstgeschichte mit einer Dissertation zum Spätwerk von Edgar Degas promoviert. Von 1998 bis 2004 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Saarland Museum Saarbrücken angestellt. Es folgten verschiedene Tätigkeiten in den Bereichen Kunstmanagement und Kommunikation. 2018 war sie Interimsgeschäftsführerin und wissenschaftliche Leiterin der Andreas Felger Kulturstiftung. Sie publizierte zur Malerei, Grafik und Plastik des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart.